Reiten lernen – So wirst du der Reiter deiner Träume

Reiten lernen ist schwierig? NEIN! Es ist ganz einfach! Wie du möglichst schnell an dein Ziel kommst und ein wirklich guter Reiter wirst, erfährst du hier.

Zum Reiten lernen brauchst du nur zwei Dinge: Ein Pferd und Zeit.

Es muss dir von Anfang an klar sein, dass du nicht von heute auf morgen reiten lernen kannst. Es ist so wie in jedem Sport, dass es einfach Zeit benötigt, bis du die notwendigen Fertigkeiten erlangt hast. Viele Reitlehrer heutzutage machen aus dem Reiten jedoch eine unnötig komplizierte Angelegenheit. Dabei lässt sich mit der richtigen Herangehensweise die Lernzeit deutlich verkürzen.

Egal ob du ein Anfänger bist oder schon ein fortgeschrittener Reiter, ebenso ob du ein Kind oder ein Erwachsener bist – wirklich gutes Reiten lernen braucht IMMER dieselben Dinge:

Inhalt
Das Pferd
Zeit
An der Longe
Vorwärts im Trab
Vorwärts im Galopp
Niedrige Hindernisse
Abwechslungsreiches Reiten
Spezialisierung
Häufige Fehler

Das Pferd – fürs Reiten lernen muss es brav sein

Wenn zum Reiten lernen brauchst du in erster Linie ein charakterlich „braves“ Pferd. Es soll dich in Ruhe aufsteigen lassen und nicht wild bocken, schlagen oder gar steigen. Die meisten Reitschulen haben solche „braven“ Pferde. 

Zeit

Wie in jedem Sport ist es so, dass du schneller gut wirst, wenn du häufig reiten gehen kannst. Wenn du nur 1 x pro Woche Zeit zum Reiten hast, wird es erheblich länger dauern. Es gilt daher gerade in der Anfangszeit: Je häufiger (am täglich) desto schneller kommst du ans Ziel.

An der Longe: Effektiven leichten Sitz üben

Als erstes musst du den effektiven leichten Sitz an der Longe üben. Dieser Sitz ist ganz einfach zu lernen und du fühlst dich schnell sicher auf dem Pferd. Hier findest du ein Youtube-Video von Rolf Becher, in dem er diesen Sitz ganz genau erklärt. Wie lange du diesen Sitz an der Longe üben musst, hängt davon ab, wie oft du reiten gehen kannst.

Üblicherweise beherrschst du allerdings nach maximal 10 Longenstunden diesen Sitz. Wichtig von Anfang an ist, dass du dir eine gute Rumpfmuskulatur antrainierst. Mach mal ganz fest „grrrrrr“. Du wirst merken, dass sich dein Bauch und auch dein Rücken anspannt. Diese Muskelspannung ist das wesentlichste am ganzen Reiten. Konzentriere dich also immer darauf, dass diese Muskeln beim Reiten angespannt sind.

Freies Vorwärtsreiten lernen im Trab auf einfachen Hufschlagfiguren

Das ganze Reiten setzt voraus, dass das Pferd willig „vorwärts“ geht. Deshalb ist es auch notwendig, dass du als Ersters lernst, wie du dein Pferd richtig frisch im ordentlichen Tempo vorwärts reiten kannst. Am besten übst du dies zuerst in einer Reithalle oder auf eine umzäunten Reitplatz und reitest dabei ganz einfache Hufschlagfiguren wie Ganze Bahn, Zirkel, einfache Schlangenlinie usw. Sobald du dich im höheren Tempo wohl fühlst, ist es bei geeignetem Gelände und bravem Pferd an der Zeit direkt im Gelände (am besten in einer Gruppe) im Trab dein Pferd richtig vorwärts zu reiten.

Freies Vorwärtsreiten lernen im Galopp

Wenn du dich im freien Herumreiten im Trab im frischen Tempo wohl fühlst, dann kannst du anfangen, auch im Galopp das Pferd im effektiven leichten Sitz richtig vorwärts zu reiten. Auch hier startest du am Besten auf dem Reitplatz/in der Halle und probierst es dann (ebenfalls am Besten in der Gruppe) auch im sicheren Gelände mit einem braven Pferd aus.

Cavaletti und kleine Kreuze bis 50 cm Höhe springen

Sobald du im Trab und im Galopp dich im effektiven leichten Sitz sicher fühlst, musst du dich an kleine Hindenrisse heran wagen.

Viele Reiter haben Angst vorm Springen, weil das Springen in manchen Reitschulen einfach nicht gut erklärt und beigebracht wird und meistens am Anfang viel zu viel vom Reiter gefordert wird.

Das Springen selbst macht jedoch bei der richtigen und sorgsamen Herangehensweise sowohl dem Reiter als auch dem Pferd extrem viel Spaß. Außerdem schult es deinen Sitz erheblich weiter.

Du wirst durch das Springen im effektiven leichten Sitz noch stabiler werden und dich noch sicherer auf dem Pferd fühlen. Wichtig beim Springen ist nur: Spring nur, solche Höhen, bei denen du dich als Reiter sicher fühlst – ganz egal, was dein Reitlehrer sagt. Es ist fürs Reiten lernen 1000 x besser „nur“ über ein Cavaletti zu hopsen, als völlig überfordert über ein zu hohes Hindernis gescheucht zu werden.

Abwechslungsreiches Reiten

Wenn du nun im effektiven leichten Sitz traben, galoppieren und springen kannst, ist der Großteil geschafft. Um das bestmögliche weitere Training zu erzielen, wechselst du am besten ständig zwischen Reiten in der Bahn/Halle/Reitplatz mit einfachen Hufschlagfiguren (Ganze Bahn, Zirkel, Wechseln, einfache Schlangenlinie usw.), dem Springen und dem Reiten im Gelände ab. Am besten bringst du alle drei Reitweisen in einer Woche unter.

Das machst du ungefähr für zwei Jahre. Anschließend ist die Gewöhnungsphase abgeschlossen und du kannst dich entscheiden:

Worin will ich mich spezialisieren? Was gefällt mir am besten?

Entweder du spezialisierst dich aufs Dressurreiten, aufs Springreiten oder du bleibst beim vielseitigen Reiten und steigerst die Anforderungen bei diesem einfach weiter.

Für das Dressurreiten musst du nun „langsam“ entsprechend deiner Rumpfmuskelspannung zum aufrechten Dressursitz kommen. Die Steigbügel werden länger, der Oberkörper wird schrittweise mehr aufgerichtet – entsprechend dem Versammlungsgrad des Pferdes. Das Tempo und die Bewegungen des Pferdes wird durch die Versammlung langsamer, wodurch du aufrechter Sitzen kannst. Dies setzt jedoch voraus, dass du ein Pferd hast, welches sich auch tatsächlich etwas versammelt reiten lässt.

Für das spezialisierte Springreiten im Parcours wird ebenfalls langsam entsprechend deiner Kraft im Rumpf der aufrechtere Sitz zwischen den Hindernissen eingeführt, der dir mehr Einflussmöglichkeit auf das Pferd in einem technisch anspruchsvollen Parcours gibt.

Häufige Probleme

Mit dem aufrechten Dressursitz anfangen

Heutzutage machen viele Reitlehrer den Fehler, dass sie den Reitschüler viel zu früh im aufrechten gestreckten Sitz reiten lassen. Die Reiter haben meist noch viel zu wenig Rumpfmuskulatur und müssen sich dann mit den Beinen und den Händen am Pferd festhalten und gewöhnen sich dadurch allerlei Sitzfehler an.

Gleich richtig Dressur reiten wollen

Dieser Fehler ist verwandt mit dem vorherigen. Ebenfalls ein weitverbreiteter Irrglaube ist es, dass man die Grundausbildung des Reiters auslassen kann und „gleich“ mit dem Dressurreiten im gestreckten aufrechten Sitz starten kann. Das mag für ein paar wenige außerordentliche Talente mit extrem gutem Reitunterricht funktionieren, für den Großteil der Reiter ist dies jedoch schlicht nicht geeignet. Dadurch wird der Lernprozess nur unnötig in die Länge gezogen und der Reiter frustriert. Der aufrechte gestreckte Dressursitz ist sozusagen die Königsdiziplin beim Reiten und setzt ein Pferd voraus, das auch tatsächlich diesen Versammlungsgrad zeigen kann. Die meisten Pferde können mangels Ausbildung oder auch schlicht aufgrund ihres Körperbaus jedoch nicht in einem dermaßen hohen Versammlungsgrad geritten werden.

Zu wenig eigene körperliche Fitness

Weiteres häufig verbreitetes Problem ist die mangelnde eigene körperliche Fitness des Reiters. Generell sportliche Menschen tun sich natürlich auch beim Reiten lernen leichter als gänzlich unfitte Personen. Wichtig ist vor allem die Rumpfmuskulatur, die im Alltag (und auch bei vielen anderen Sportarten) viel zu wenig trainiert wird.

Zu wenig Körpergefühl

Zum Reiten gehört Gefühl. Früher haben Reitlehrer häufig die Auffassung vertreten, dass man sich das Reitergefühl nicht aneigenen kann. Das stimmt jedoch nicht. Es gibt unzählige Möglichkeiten den Reitertakt zu schulen – der Reitertakt/das „Gefühl“ ist nämlich nichts anderes als das eigene Körpergefühl des Reiters.

Zu wenig Selbstvertrauen

Zum Reiten lernen gehört eine gehörige Portion Selbstvertrauen. Diesen wesentlichen Punkt übersehen leider viele. Doch eigentlich ist es ganz logisch. Wie bitte soll ein 500 kg schweres Pferd nach der Pfeife des Reiters tanzen, wenn er nicht einmal selbst daran glaubt, dass er es schafft? Pferde verfügen über eine extrem gute Menschenkenntnis. Wenn sich der Reiter nicht sicher ist, dass er es schafft, dass er der „Kopf“ der Partie sein kann, dann wird das Pferd auch nicht „gehorchen“.