Vorwärts Pferd! Aber nichts passiert...

Geht dein Pferd vorwärts? Wenn nein, dann hat das folgende Gründe! Die Ursache dafür kann entweder beim Reiter oder beim Pferd liegen.

Warum das Pferd nicht vorwärts kann?

Die Hauptgründe warum dein Pferd nicht vorwärts geht sind:

Körperliche Beschwerden

Wenn die Muskulatur deines Pferdes sehr verspannt ist, es krank oder lahm ist, wird es verständlicherweise auch nicht vorwärts gehen. Bevor du daher dein Pferd mit Übungen drangsalierst, kläre bitte ab, ob es gesundheitlich in Ordnung ist.

Energiedefizit

Eine häufige Ursache ist ein Energiedefizit des Pferdes. Wenn dein Pferd einen BCS unter 3 hat, bekommt es über seine Nahrung zu weniger Energie. Es ist ganz logisch, dass dem Pferd dann auch die Energie für das vorwärtslaufen fehlt. Ebenso kann es sein, dass bereits bei einem BCS von 4 dein Pferd zu wenig Kraft hat und deshalb das Pferd nicht vorwärts geht.

Übergewicht

Ebenso wie ein übergewichtiger Mensch sich schwer tut beim Laufen, so geht es auch fetten Pferden. Wenn dein Pferd daher einen BCS über 6 hat, kann es gut sein, dass es einfach zu viele Kilos mit sich herumschleppt, schnell ermüdet und das Pferd vorwärts nicht gehen will.

Erschöpfung 

Werden während des Trainings zu wenig Pausen gemacht, wird der Vorwärtsdrang des Pferdes kontinuierlich weniger. Das Pferd braucht auch während des Trainings regelmäßige Verschnaufpausen in denen es allenfalls verspannte Muskulatur entspannen kann und auch die Atmung wieder zur Ruhe kommt.

Welchen Einfluss haben die Muskelketten auf das Vorwärts deines Pferdes?

In der faktischen Bewegung des Pferdes sind mehrere Muskeln als Muskelketten beteiligt:

Die dorsale Muskelkette (obere Verspannung)

verläuft oberhalb der Wirbelsäule und hinter der Hüfte. Sie stellt die Oberlinie des Pferdes dar. Ihre Aufgabe ist die Streckung der Wirbelsäule und der Hüfte, das Anheben von Kopf und Hals und das Senken des Rückens. Wenn dein Pferd vermehrt die obere Verspannung verwendet, drückt es beim Reiten den Rücken weg und befindet sich über dem Zügel (sofern nicht durch Zügeleinwirkung dies behindert wird). Bei der Flucht des Pferdes in schnellem Tempo ist hauptsächlich die obere Verspannung aktiviert.

Die ventrale Muskelkette

​bildet die untere Verspannung und verläuft unterhalb der Wirbelsäule und vor der Hüfte. Sie ist zuständig für die Beugung von Wirbelsäule und Hüfte, das Senken und Heranziehen des Kopfes und das Aufwölben des Rückens. Wenn dein Pferd hingegen hauptsächlich die untere Muskelkette verwendet, wölbt es den Rücken nach oben und rollt den Kopf nach rückwärts zur Brust. 

Ein natürliches Verhalten des Pferdes für die hauptsächliche Verwendung dieser Muskelkette ist das Bocken. Durch die Beugehaltung des Pferdes ist jedoch automatisch sein Vorwärtsimpuls gedämpft. Das gebeugte Becken bringt zwar die Hinterbeine unter den Bauch, allerdings fehlt für das Vorwärts die notwendige Streckung im Becken, sodass das Pferd auch hier am Vorwärtsgehen behindert wird.

Wenn du dich nun auf dein Pferd setzt, drückt dein Gewicht den Brustkorb des Pferdes und folglich auch die restliche Wirbelsäule nach unten. Dadurch verwendet dein Pferd automatisch die obere Muskelkette um seine Wirbelsäule zu stabilisieren. 

Daraus folgt, dass dein Pferd den Rücken durchhängen lässt und die Hinterbeinen aufgrund der Streckstellung des Beckens gar nicht unter den Bauch deines Pferdes fußen können. Zudem wird in dieser Position die Hinterhand deines Pferdes mehr belastet. Diese Umstände führen insgesamt dazu, dass dein Pferd nur langsam und schlurfig seine Hinterbeine bewegt und dein Pferd nicht vorwärts geht.

Wie kann ich als Reiter die Muskelketten beeinflussen?

Die Kunst beim Reiten besteht darin, die Muskelketten zu einer gleichmäßigen Arbeit zu bringen. Das ist auch der Sinn des Aufwärmens beim Reiten. Kein Pferd wird frisch aus der Box oder direkt von der Koppel gleich in der Lage sein, beide Muskelketten gleichmäßig zu verwenden. Es wird je nach seinem Körperbau und seiner reiterlichen Ausbildung bzw. Konditionierung entweder die obere oder untere Muskelkette verwenden.

Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten das Pferd zu beeinflussen:

Über den Sitz

Je mehr Gewicht der Reiter direkt auf seine Gesäßknochen bringt, desto mehr verwendet das Pferd die obere Verspannung. Umgekehrt gilt, je mehr das Gewicht des Reiters auf seine Oberschenkel bzw. den Sattel verteilt wird, desto mehr verwendet es die untere Verspannung.

Über die Zügelhilfen

Je mehr das Pferd gegen den Zügel geht, desto mehr verwendet es die obere Verspannung. Je mehr sich das Pferd nach unten und brustwärt saufgrollt, desto mehr verwendet es die untere Verspannung. Zudem gibt es noch zu beachten: Je höher die Reiterhand getragen wird, desto mehr verwendet es die obere Muskelkette, je tiefer die Reiterhand getragen wird, desto mehr verwendet es die untere Muskelkette.

Über die Schenkelhilfen

Je weiter vorne die Unterschenkel des Reiters liegen, desto mehr verwendet es die obere Verspannung. Je weiter hinten die Unterschenkel des Reiters liegen, desto mehr verwendet es die untere Verspannung. Ebenfalls kannst du als Reiter sehr gut an den Schenkel fühlen, welche Muskelkette das Pferd verwendet: Wenn es die obere Verspannung verwendet, ist es schmaler im Brustkorb und du tust dich schwer eine Verbindung mit den Waden und dem Pferdebauch zu halten. Wenn es umgekehrt die untere Verspannung verwendet, dann fühlt sich das Pferd im Brustkorb praller an und es ist leichter Kontakt mit der Wade zu halten.

Über Hufschlagfiguren und Lektionen

Je gerader und freier die Linie, desto mehr wird das Pferd ermutigt die obere Verspannung zu verwenden. Je kleiner und enger die Wendung, desto mehr wird es die untere Verspannung aktivieren. Ebenso wird bei Seitengängen vermehrt die untere Verspannung aktiviert.

Was mache ich, wenn mein Pferd die obere Muskelkette verwendet und nicht vorwärts geht?

Wenn dein Pferd die obere Muskelkette verwendet und mit durchhängendem Rücken und hoch erhobenem Hals herumschlurft, hast du verschiedene Möglichkeiten:

Effektiver leichter Sitz für mehr Tempo 

Durch den effektiven leichten Sitz wird zunächst das Reitergewicht großflächiger auf den Pferderücken verteilt und dadurch die punktuelle Belastung unter den Gesäßknochen vermindert. Dadurch fällt es dem Pferd leichter den Rücken aufzuwölben. Ebenso ist der effektive leichte Sitz geschaffen für ein schnelleres Tempo und du kommst nicht so leicht in Versuchung aufgrund eigener mangelnder Balance dein Gleichgewicht über die Zügel zu halten. Die vermehrte Stabilität des Reiters im effektiven leichten Sitz führt auch dazu, dass du konsequenter deinem Pferd eine Hilfe geben kannst, ohne selbst in Seenot zu geraten.

Abwarten und Tee trinken

Eine weitere Möglichkeit ist, die natürliche Schwerkraft als Hilfe zu benützen. Wenn das Pferd Hals und Kopf hoch trägt, dann verwendet es die obere Muskelkette. Nachdem die Schwerkraft permanent Kopf und Hals nach unten zieht, wird das Pferd früher oder später den Hals fallen lassen. Wichtig ist, dass du dabei nicht versuchst mit den Schenkeln zu treiben, sondern du Sitz einfach nur oben und hältst lockere Verbindung mit den Zügeln. Wenn es den Hals fallen lässt verwendet es automatisch vermehrt die untere Muskelkette.

Anschließend versuchst du durch impulshafte Schenkelhilfen für mehr Vorwärts zu sorgen. Diese Methode setzt allerdings voraus, dass du im Trab dein Pferd auch aussitzen kannst, wenn es den Rücken wegdrückt.

Im Leichttraben funktioniert diese Methode nämlich nicht so gut. Sofern du dich daher beim Aussitzen verkrampfst, ist besser mit dem effektiven leichten Sitz zu arbeiten. Ebenso kann bei intelligenten Pferden das Problem auftreten, dass sie dann zwar den Kopf tief nehmen, sich auf den Zügel legen wollen und nicht auf die Schenkelhilfe reagieren. In diesem Fall ist diese Variante nicht empfehlenswert.

Die Hände tief und den Oberkörper vor

Durch den nach vorne verlagerten Oberkörper wird der Druck der Gesäßknochen etwas abgemindert und die tiefen Hände, unterhalb des Widerrists zeigen dem Pferd, dass es seinen Kopf ebenfalls tief nehmen soll.

Wichtig ist, dass du als Reiter hierbei eine feste Bügelstütze mit tiefer Ferste hast und deine Waden nicht nach hinten rutschen, sondern vorne am Gurt bleiben. Diese Methode ist im leichttraben (wenig aufstehen!) am Effektivsten. Bitte auch hier darauf achten, dass das Pferd sich mit tiefem Hals nicht auf den Zügel legt. Sobald das Pferd den Kopf tief nimmt, kannst du versuchen durch impulshafte Schenkelhilfen für mehr Tempo zu sorgen.

Übertreten auf dem Zirkel

Durch das Übertreten auf dem Zirkel muss die Hinterhand einen größeren Weg zurücklegen als die Vorhand. Dadurch wird die Vorhand mehr belastet. Ebenso muss das Pferd den Rücken aufwölben um mit den Hinterbeinen kreuzen zu können.

 Diese beiden Umstände sorgen dafür, dass das Pferd eher die untere Muskelkette verwendet und Hals und Kopf eher tief nimmt. Wichtig dabei ist jedoch, dass das Pferd wirklich mit den Hinterbeinen kreuzt und nicht nur schief auf dem Zirkel geht. Ebenso wichtig ist, dass du als Reiter durch deine Schenkel das Pferd zum Übertreten bringst und nicht durch Ziehen am inneren Zügel. Ansonsten ist die Übung nämlich wertlos und du ziehst dem Pferd nur den Kopf hinunter.

Was mache ich, wenn mein Pferd die untere Muskelkette verwendet und nicht vorwärts geht?

Wenn dein Pferd die untere Muskelkette verwendet und mit aufgewölbtem Rücken und tiefem Hals herumschlurft, hast du verschiedene Möglichkeiten:

Effektiver leichten Sitz für mehr Tempo 

Wenn das Pferd die untere Verspannung benützt, dann fühlt der Reiter die Tendenz nach vorne gezogen oder gestoßen zu werden und wird selbst vorderlastig. Du kannst dieses Problem nun dadurch beheben, dass du versuchst dich bewusst aufrecht hinzusetzen auf deine Gesäßknochen.

Dabei besteht allerdings die Gefahr, dass das Pferd dann den Rücken wegdrückt und hauptsächlich die obere Verspannung verwendet. Aus diesem Grund ist auch hier der effektive leichte Sitz empfehlenswert. Dadurch verhinderst du, dass zu viel punktuelle Belastung auf dem Rücken entsteht und gleichzeitig kannst du aufgrund deiner besseren eigenen Balance verbindlicher ein höheres Tempo bei deinem Pferd fordern.

Abwarten und Tee trinken

Manche Pferde verwenden zu Beginn der Lösungsphase gerne einen unterourigen Trab mit tiefem Hals. Eberhard Hübener nennt dies den Langhals-Kurztritt-Lösetrab. Mein eigenes Pferd ist ebenfalls ein Fan davon und schnaubt sich in dieser Position gerne ab. Gleichzeitig merke ich dabei, wie ihr Brustkorb dabei immer runder und praller wird. Wenn ich dann nach zwei Runden abwechselnd rechte und linke Hand mit sehr loser Zügelverbindung (nicht das Pferd auf den Zügel aufstützen lassen) eine Schenkelhilfe gebe, bekomme ich eine prompte Reaktion. 

Durch das laufenlassen in diesem untertourigen Trab kann das Pferd seine Gelenke und Muskeln lockern und langsam warm werden, sodass die Hinterbeine nach und nach weiter unter den Schwerpunkt fußen können. Wichtig dabei ist, dass spätestens nach drei Runden auf jeder Hand eine deutliche Reaktion auf die Schenkelhilfe kommt. Andernfalls besteht die Gefahr, dass das Pferd diese Haltung nur kraftlos dahinschlurft. Sollte sich das Pferd daher nach einigen Runden nicht problemlos vorwärts schicken lassen, muss mit Schenkel und Gerte nachdrücklich für ein flotteres Tempo gesorgt werden. Dabei kommt automatisch der Kopf hoch.

Zügel kurz und Oberkörper zurück

Der einfachste Weg um ein exzessives Kopfsenken des Pferdes zu unterbinden ist ein kürzeres Zügelmaß. Ebenso kann der Reiter seinen Oberkörper etwas mehr aufrichten (allerdings nicht zurücklehnen und hinter die Senkrechte kommen!) um mehr treibende Einwirkung über die Gesäßknochen zu haben. Sollte das Pferd allerdings dann den Rücken zu viel nach unten drücken, ist es besser über den effektiven leichten Sitz zu arbeiten. In diesem Fall ist das Zügelmaß ohnehin kürzer und das Gewicht wird gleichmäßiger auf den Rücken verteilt.

Kruppherein auf dem Zirkel

Durch das Kruppherein auf dem Zirkel muss die Vorhand einen größeren Weg zurücklegen als die Hinterhand. Dadurch wird die Hinterhand mehr belastet. Ebenso muss das Pferd den Brustkorb heben um mit den Vorderbeinen kreuzen zu können.

Diese beiden Umstände sorgen dafür, dass das Pferd eher die obere Muskelkette verwendet und Hals und Kopf eher hoch nimmt. Wichtig dabei ist jedoch, dass das Pferd wirklich mit den Vorderbeinen auf der Zirkellinie bleibt und nicht einfach schief herumläuft. Ebenso wichtig ist, dass du als Reiter durch deine Gewichst- und Schenkelhilfen das Pferd zum Kruppherein bringst und nicht durch Ziehen am inneren Zügel. Ansonsten ist die Übung nämlich wertlos und du ziehst dem Pferd den Kopf noch mehr hinunterhinunter.

Wie bremst du als Reiter dein Pferd unbewusst aus?

Du als Reiter hast bedauerlicherweise mehrere Möglichkeiten, um dein Pferd am Vorwärtsgehen zu hindern:

Du willst nicht und hast Angst

Pferde sind sehr feinfühlige Wesen und merken instinktiv ob du als Reiter wirklich schneller willst oder nicht. Gerade etwas erfahrenere Pferde merken sehr schnell ob der Reiter auf seinem Rücken mehr an Geschwindigkeit verträgt oder nicht. So ist es z.B. oft bei Schulpferden so, dass sie automatisch langsamer werden, wenn ihr Reiter oben drauf in Seenot kommt und sein Sitz instabil wird. Dieses Problem kannst nur du selbst lösen, in dem du deine Angst vor einer schnelleren Bewegung deines Pferdes überwindest.

Du hast zu wenig Rumpfspannung

Ein schlaffer Reiter ergibt ein schlaffes Pferd. Wenn es dir gelingt, deine Rumpfspannung zu erhöhen (fest „grrrrr“ machen für das Gefühl), wirken deine Hilfen für dein Pferd verbindlicher und es wird schneller reagieren. Dabei ist es völlig egal, ob du aufrecht sitzt oder im effektiven leichten Sitz.

In beiden Varianten ist eine gute Rumpfspannung der Schlüssel zum Erfolg. Gerade ein nach vor gekippter Oberkörper ohne Rumpfspannung wirkt oftmals bremsend auf das Pferd. Wenn du also im effektiven leichten Sitz zu wenig Rumpfspannung hast und nur den Oberkörper schlaff nach vorne hängen lässt, dann wird dein Pferd auch in diesem Sitz nicht wirklich vorwärts gehen.

Mangelnde Fitness des Reiters

Auch wenn Reiten selbst kein Kraftakt ist, so braucht es doch eine gewisse Fitness. Ich selbst habe bei mir oftmals bemerkt, dass mein Pferd langsamer wird, wenn mir selbst die Puste ausgeht. Deshalb lieber öfters wirkliche Verschnaufpausen auch für dich als Reiter einlegen, als eine Stunde halbherzig herumzureiten. Ebenso solltest du zumindest versuchen deine körperliche Fitness auch außerhalb des Reitens zu verbessern.

Verspannte Muskulatur

Ebenso wie beim Pferd, steigt auch kein Reiter völlig losgelassen gleich aufs Pferd. Dadurch nimmst du zwangsläufig deine Verspannungen aus dem Alltag – sei es durch viel sitzen, stehen oder harte körperliche Arbeit – mit aufs Pferd. In diesem Fall kannst du versuchen dich selbst vor dem Reiten aufzuwärmen.

 Dazu musst du auch nicht großartige Turnübungen vollbringen – selbst ein flotter Marsch zum Aufwärmen mit dem Pferd von ca. 10 Minuten lockert dich schon ein wenig. Ebenso kannst du in deiner Freizeit durch Yoga, Feldenkrais oder Alexandertechnik versuchen Verspannungen zu vermindern.

Mangelnde Konsequenz und Erziehung

Der Hauptgrund für ein mangelndes Vorwärts des Pferdes liegt in deiner eigenen Konsequenz bei der Umsetzung der treibenden Hilfen. Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Reitern: diejenigen, die ständig bei jedem Schritt treiben und dadurch ihr Pferd abstumpfen und diejenigen, die anstatt mit der Wade die Gerte oder den Sporen zu Hilfe nehmen. Beide Varianten führen langfristig unweigerlich dazu, dass das Pferd nicht vorwärts geht.

Wie treibe ich richtig mit dem Schenkel?

​Getrieben wird mit dem Unterschenkel. Dieser muss relativ nahe vorne am Gurt liegen. Ist er zu weit hinten, wird die untere Muskelkette zusammengezogen und das Pferd verlangsamt seine Bewegungen.

Zum Treiben wird der Schenkel an das Pferd gedrückt und nicht mit Schwung gegen den Brustkorb geknallt. Das Drücken ist anstrengend und das Knie muss dabei am Sattel bleiben. Wenn das Knie ausgedreht wird und vom Sattel absteht, dann wird der Sitz instabil. Gerade am Anfang einer Reiteinheit ist es oft schwierig mit der Wade ans Pferd zu kommen, weil der Brustkorb des Pferdes seitlich flacher abfällt. 

Unabhängig davon solltest du jedoch unbedingt versuchen, eine Schenkelhilfe zu geben. Wenn das Pferd dann auf diese nicht reagiert, kommt sofort GLEICHZEITIG mit der Schenkelhilfe die Gerte zum Einsatz. Sobald du allerdings eine sichere Verbindung zwischen deiner Wade und dem Brustkorb des Pferdes hast, musst du unbedingt mit dem Schenkel treiben und die Gerte nur verwenden, wenn dein Pferd nicht reagiert.

Anschließend soll dein Pferd das Tempo selbständig halten ohne dass du treiben musst. Den Schenkel verwendest du anschließend so wie das Gaspedal beim Auto. Wenn das Pferd sich in der gewünschten Geschwindigkeit bewegt, macht der Schenkel nichts. Wenn du „mehr Gas“ geben willst, dann kommt der Schenkel. 

Diese Umsetzung bedeutet für dich als Reiter höchste Konzentration. Allzu leicht passiert es nämlich, dass du zur Vermeidung deiner eigenen Anstrengung lieber die Gerte verwendest als deinen Schenkel und dann alle paar Meter mit der Gerte tippseln musst.

Wie benutze ich die Gerte richtig?

Grundsätzlich bin ich kein Fan von der Gerte, weil es ein falsches Verhalten bei dir als Reiter fördert: Die Gerte liegt üblicherweise in der Hand des Reiters. Gleichzeitig befinden sich in deinen Händen die Zügel, welche per se zum Verlangsamen des Tempos da sind. Es ist äußerst schwierig eine Gertenhilfe zu geben, ohne dabei gleichzeitig eine Zügelhilfe nach Rückwärts zu geben. 

Um für das Pferd keine widersprüchlichen Hilfen zu geben, ist es daher im Anfangsstadium besser, die Zügel in eine Hand zu nehmen (diese können auch leicht durchhängen) und mit der anderen freien Hand, die Gertenhilfe zu geben. Dadurch wird vermieden, dass du reflexartig gleichzeitig am Zügel ziehst und mit der Gerte vorwärts sagst. 

Ebenso solltest du einen exzessiven Gebrauch der Gerte aus folgendem Grund vermeiden: Jeder Reiter ist ohnehin handdominiert – dies aufgrund des Umstandes, dass wir Menschen sehr viel mit unseren Händen machen und die Verbindung zwischen Gehirn und Händen besser ausgeprägt ist als zwischen unseren Beinen und unserem Gehirn. 

Beim Reiten müssen wir lernen, dass unsere Beine für das Vorwärts zuständig sind und unsere Hände für das Bremsen. Wenn du nun allerdings regelmäßig die Gerte mit der Hand verwendest, fällt es dir schwerer diese Trennung zwischen Händen und Beinen zur Gewohnheit zu machen. 

Dadurch gewöhnst du dir an, mit den Händen (über die Gerte) für das Gas und die Bremsung zu sorgen und vergisst völlig, deine Beine für das Gasgeben zu verwenden. Deshalb lieber etwas schwitzen, um die Muskeln in den Beinen zu stärken, als die ohnehin schon dominante Verbindung zwischen Gehirn und Händen noch zu verstärken.

Wenn die Gerte verwendet wird, muss sie aber unbedingt zum Erfolg führen. Also nicht tausendmal leicht antippseln, sondern lieber ein-, zweimal konsequent und mit Nachdruck und zwar so stark, dass das Pferd leicht durchgeht – also wirklich deutlich über Tempo unterwegs ist, egal ob im Trab oder Galopp. 

Die meisten Pferde beschleunigen mit der Gerte nämlich nur bis zum gewünschten Tempo. Nachdem allerdings der Schenkel das Pferd bis zum gewünschten Tempo beschleunigen soll und nicht die Gerte, muss die Gerte sehr viel mehr Tempo hervorbringen, als der Schenkel. 

Ebenso muss das Pferd ja lernen, auf die Schenkelhilfe zu reagieren und nicht auf die Gerte. Wenn das Pferd nach dem Gertenhieb im gewünschten Tempo unterwegs ist, dann hat es NICHT gelernt auf den Schenkel mit vorwärts zu reagieren, sondern auf die Gerte.

>